Taxifahrt

Ich habe heute überlegt, dass ich mir wohl doch noch ein Hobby zulegen muss. Irgendwas mit Sport oder wenigstens Wandern oder so.
Denn ich habe Urlaub, bin auf Reisen und habe eigentlich nichts zu tun.
Für einen kompletten Strandtag, ist es mit hier zu windig und zu wenig schattig. Und irgendwie ist er auch zu weit weg, um morgens hin, dann nach 1-2 Stunden wieder zurückzulaufen, um dann später nochmal hinzugehen.
Wobei, das könnte ich morgen ja mal ausprobieren.

Meine Vermieterin findet ja, dass ich mir einen Roller ausleihen könnte. Allerdings vermute ich, dass sie nicht unbedingt meint, dass ich mehr von der schönen Insel angucken sollte, sondern, dass ich mehr Geld ausgeben könnte, denn sie hat da auch schon eine konkrete Empfehlung für einen Rollerverleih. Schaun wa mal.

Heute jedenfalls hatte ich mich entschlossen, einen Ausflug mit dem Bus zu machen. Das Busfahren läuft hier ja meistens sehr zentralisiert. Erst einmal mit dem Bus in die Hauptstadt und von dort dann zum eigentlichen Ziel.
Als ich an der Bushaltestelle saß, kam ein Taxi vorbei. Der Taxifahrer fragte mich, ob ich nicht mit ihm fahren wolle, nur 10 Euro. Ich wollte nicht. Daraufhin behauptete er, dass heute kein Bus mehr fahren würde. Für ein paar Sekunden war ich irritiert. Ein Feiertag, von dem ich nichts wusste?  Da ich stur blieb, behauptete er, dass in den nächsten sechs Stunden kein Bus mehr fahren würde. Keine Leute, keine Busse. Ich war ganz sicher, dass in den nächsten 10 Minuten mein Bus vorbeikommen würde. Mittlerweile war der Taxifahrer  im Preis bei 7 Euro. Ich erklärte ihm, dass ich Busfahren lieben würde. 6 Euro. Langsam schien er auch keine Fingernägel mehr zu haben, die er abknabbern konnte. Bei 5 Euro stieg ich ein, einfach weil ich seinen Versuch witzig fand. Unterwegs erklärte er mir, dass die Saison vorbei sei Die Restaurants hätten geschlossen. Ich fragte ihn, ob er der Meinung sei, dass ich nach Hause fahren sollte, weil die Saison ja nun vorbei sei. er bejahte dies, vermutlich jedoch, weil er meinen Witz darin nicht verstand. Er fragte mich, wo ich denn austeigen wolle und ich hoffte, dass er mich nicht näher nach meinen Plänen ausfragen würde, denn den ganzen Ausflug mit einem Taxi zu machen, hätte ich nicht gewollt. Kurz vorm Busbahnhof reduzierte er die Geschwindigkeit und machte seltsame Bewegungen mit der Hand. Es dauerte ein wenig, bis ich drauf kam, dass wir gerade an einer Kirche vorbeifuhren und er sich mehrfach bekreuzigte. Vermutlich leistete er Abbitte für seine Geschichte von den nicht mehr fahrenden Bussen.
Bei Bezahlen grinsten wir uns an.

Dank der Taxifahrt, blieb mir nun genügend Zeit die Tickets für die Weiterfahrt zu besorgen und ein paar Postkarten zu schreiben.
Während der Bus zu meinem Ausflugsziel immer voller wurde, musste ich an den Taxifahrer denken, keine Leute, keine Busse. In diesem Fall waren es viele Griechinnen mit vielen Tüten. Einige der Tüten landeten kurzzeitig auf meinem Schoß. Meine Nachbarin bekam während der Fahrt ein paar Anrufe. Wenn sie einen nicht annehmen wollte, vergrub sie das klingende Handy in ihrer Handtasche.
Ich überlegte ja während der Fahrt, was ich fast drei Stunden in dem Bergdorf anfangen sollte, über das ich mich im Vorfeld kaum informiert hatte.
Der Busfahrer half mir die Ausflugszeit zu gestalten, indem er erst einmal einen Zwischenstopp an der Tankstelle einlegte. Beeindruckend wieviel Diesel in so einen Bustank passt.
An einer Taverne gab er ein Päckchen ab und die Wirtin brauchte ein paar Minuten, bis sie ihm das Geld für diese Zustellung aus der Kasse zusammengesucht hatte.
Mir blieben noch etwa 2 Stunden zur Besichtigung des Dorfes. Ich lief etwas unmotiviert herum und setzte mich auf eine Bank, um erst einmal im Internet zu recherchieren, wo ich mich denn eigentlich befand. Ich fand einige sehr hilfreiche Informationen, wie beispielsweise dass es sich um ein sehr junges Dorf handelt, bezüglich des Altersdurchschnitts der Bevölkerung. Davon konnte ich mich dann kurze Zeit später überzeugen, als die Kinder Schulschluss hatten und durch die Straßen tobten. Auch im Bus zurück saßen viele von ihnen. Nach dem Check im Internet setzte ich mich in ein Café und versuchte einen Kräutertee zu bekommen. Es wurde dann doch ein anderer, weil ich die Bedienung nicht weiter vom Putzen der Fenster abhalten wollte.

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Während ich meinen Tee trank und den Spielen der Kinder zusah, rechtfertigte ich meinen super Ausflug vor mir selbst. Dank dieser Unternehmung hatte ich schon doch sehr viel erlebt und so ein nettes Café gab es in meinem Unterkunftsort nicht – tatsächlich ist dort das Saisonende präsenter als in diesem Dorf mit vielen Einheimischen. Und auch wenn ich nun mehr Geld für die Fahrtkosten ausgegeben hatte, als ich für die Tagesmiete eines Rollers zahlen würde, so muss ich doch darauf bestehen, dass ich das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mag. Sie geben mir eine Tagestruktur. Gerade jetzt in der Nachsaison, wo die Busse tatsächlich nicht mehr so oft fahren.
Heute kam mir der Fußweg vom abschließenden Strandbesuch zu meiner Unterkunft auch gar nicht mehr so weit weg vor, wie noch vor zwei Tagen…

Morgen kann ich ja immer noch entscheiden, ob ich mir einen Roller ausleihe, mit dem Bus zum Shoppen in die Hauptstadt fahre, noch schnell im Zimmer ein Buch auslese oder mir ein tagesausfüllendes Hobby zulege.

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