Friseurbesuch

Ich war heute beim Friseur und das war doof. Es fing schon damit an, dass ich nicht zu meiner Lieblingsfriseurin gegangen bin, – die hatte so spontan keine Zeit – sondern zu einem „Cut & Go“-Friseur. Da ist die Atmosphäre meist ziemlich kalt und unverbindlich. Kalt war es dort, weil die ganze Zeit ein Fenster offen war, aber unverbindlich war es eigentlich nicht. Jedenfalls nicht zwischen den anderen Kundinnen und den Friseurinnen. Alle unterhielten sich sehr angeregt und ich habe, nachdem ich zwei Zeitschriften ausgelesen hatte, und den Gesprächen zuhörte, viel über die Arbeitsbedingungen von Sicherheitskräften am Flughafen gelernt.
Als ich endlich hätte dran sein sollen, mussten sich die beiden Friseurinnen erst einmal von so viel Kommunikation erholen und eine Pause machen. Ich schwor mir, zukünftig doch wieder Termine bei meiner Lieblingsfriseurin zu vereinbaren und kam dann nach mehr als einer Stunde Gesamtwartezeit dann auch endlich dran.

Die Friseurin fragte, was ich denn gemacht haben wolle. Ich beschrieb es grob. Sie fragte noch einmal, wie sie es denn mache solle und ich fragte mich, woher ICH das denn wissen solle. Wer ist denn der Profi – sie oder ich. Ich wiederholte meine Beschreibung: Kürzer, besonders hinten, da wachsen die so schnell. Sie wollte wissen, wieviel sie denn abschneiden soll. Ich machte eine ungefähre Angabe mit meinen Fingern. Sie fragte erstaunt: „So viel?“. Ich meinte, kann auch weniger sein.
Sie wollte wissen, wie ich meinen Scheitel mache. Eine gute Frage, die ich mir auch jeden Morgen stelle. Ich behauptete, einen Mittelscheitel. Sie versuchte sich daran und scheiterte. So wie auch ich, allmorgendlich. Sie drückte mir ihren Kamm in die Hand und meinte, dass ich den Scheitel ziehen sollte. Ich lehnte ab und wir einigten uns drauf, dass es wohl eher ein versetzter Mittelscheitel sei.

Sie bestand drauf, dass ich mein Halstuch ablege. Ich brachte ein, dass es doch ziemlich kühl im Salon sei, angesichts des offenen Fensters. Sie erklärte, dass es vorhin so stickig gewesen sei und ließ das Fenster offen.

Nachdem sie mir eine Weile wortlos die Haare geschnitten hatte, fragte sie, wie ich denn meinen Pony haben wollte. Auch das eine gute Frage, auf die ich mir von ihr eine Antwort erhofft hatte. Wir einigten uns darauf, dass sie nur die Spitzen schneiden würde.

Nach 10 Minuten war sie fertig. Und ich froh den Laden endlich verlassen zu können. Daher hielt ich den Fön auch nur für ein paar Sekunden an meine Haare. Ich mag Haare fönen nicht, auch wenn es schön war den ausgekühlten Kopf etwas wärmen zu können. Ich zahlte und verließ den Salon. Davor traf ich zufällig eine Freundin, die mich fragte, ob ich gerade aus dem Schwimmbad käme. Dass ich gerade vom Friseur kam, wollte sie mir nicht glauben. Wie auch alle anderen, die ich an diesem Tag noch traf.

Es ist einfach kein gutes Zeichen, wenn einen die Friseurin fragt, wie sie die Haare schneiden soll…

 

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3 Kommentare zu “Friseurbesuch

  1. Eigentlich finde ich ihre Frage sehr angemessen. Mir ist es zu oft passiert dass Friseure unaufgefordert irgendwas geschnitten habe, was ich gar nicht gewollt habe. Ich würde mir wünschen dass ich gefragt werde. Früher dachte ich immer, wenn ich nichts sage machen sie auch nichts, tatsächlich muss man sogar explizit erwähnen was man nicht will…

    • Nun ja, meine Erfahrung ist, je konkreter ich etwas wollte, desto mehr ist es daneben gegangen: Dreadlocks = Kurzhaarschnitt, Popper-Friseur = Mireille Mathieu Friseur.
      Da lasse ich mich lieber gleich überraschen und freue mich, wenn etwas Gutes dabei herauskommt. 🙂

      • Dann warst du definitiv bei den falschen Friseuren wir ich anfangs. Habe auch ewig gebraucht bis ich meine hatte. Und die weiß auch das 1 cm Spitzen nicht 10 cm sind 😀 Überraschungen kommen für mich nicht mehr bzw. noch nie in Frage 😀 Was meine Haare angeht verstehe ich keinen Spaß 😉

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