Tauschgeschäfte und die Post

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied bei Tauschticket, einer Onlinetauschbörse. In erster Linie tausche ich dort Bücher. Für jedes Buch, das ich abgebe erhalte ich „Tickets“, mit denen ich bei anderen Bücher, Musik oder Filme bestellen kann. Die Kosten für den Versand zahlt derjenige, die/der das Buch verschickt. Daher liegt es in meinem Interesse die Versandkosten möglichst niedrig zu halten.

Gestern nun hat jemand ein sehr großes und schweres Fachbuch bei mir angefordert. Das Buch wiegt über zwei Kilo und ist daher leider nicht als „Büchersendung“ versendbar. Ich fing also an zu recherchieren, was denn die günstigste Option sein könnte und stieß auf das „Pluspäckchen“. Hier gibt es einen Sonderpreis und Porto und Verpackung sind im Preis inbegriffen. Da ich jedoch über einen großen Fundus an Briefmarken und Verpackungsmaterial verfüge, wollte ich nun herausfinden, ob der Pluspäckchenpreis an diese spezielle Verpackung gebunden ist. Die nächste Option eines regulären Päckchens wäre 1 Euro teurer gewesen.

Ich guckte auf der Postseite und googelte mich durch diverse Seiten – konnte jedoch keine Antwort auf meine Frage finden. Also kam ich auf die Idee, doch mal bei der Post anzurufen. Auf der Webseite gelang es mir nicht einmal die Servicenummer zu finden, aber auf einem Infoflyer fand ich sie.

Wie zu erwarten war, ging kein Mensch, sondern erst einmal eine Maschine ans Telefon. Ich wurde mit etwas Musik berieselt und nach einer Weile gebeten doch bitte anzugeben, aus welchem der vorgeschlagenen Gründe ich anrufen würde. Gerade als ich ansetzten wollte etwas zu sagen, kamen noch Informationen zum derzeitigen Streik der Post. Dieses Informationsangebot war sehr ausführlich, so dass ich etwas wegträumte. Irgendwann vernahm ich die Ansage, dass sie leider nicht verstanden hätten, warum ich denn nun angerufen habe. Eine Pause oder einen Signalton, nach dem ich hätte etwas sagen sollen hatte ich nicht wahrgenommen. Noch einmal wiederholte die Stimme die Optionen und auch die Streikinformationen. Ich wiederholte – um den richtigen Zeitpunkt diesmal nicht zu verpassen – unermüdlich: „Paketsendung, Paketsendung, Paketsendung“. Die Stimme sprach unermüdlich weiter. Und ich wurde lauter: „PAKETSENDUNG“. Irgendwann trat doch mal etwas Stille ein, in die dich hineinsprechen sollte. Ich wiederholte mein Mantra und wurde dann noch aufgefordert eine Unterkategorie zu bennen. Ich schien erfolgreich zu sein, jedenfalls wurde mir nichts gegenteiliges mitgeteilt.

Leider wurde mein Erfolg nicht sofort mit der Weitervermittlung an einen Menschen belohnt, sondern mit – durch die stete Wiederholung immer eindringlicher vorkommenden – Hinweisen doch den ONLINESERVICE der Post zu nutzen. Leider war ja niemand dem ich hätte mitteilen können, dass ich GENAU DAS JA BEREITS VERSUCHT HATTE.  Ich ließ mich von der Musik berieseln und schrieb nebenbei E-Mails.

Irgendwann begrüßte mich dann doch noch ein Mitarbeiter der Post. Ich musste erst einmal überlegen, warum ich eigentlich angerufen hatte.
Ich schilderte die Sachlage: Buch schwerer als 2 kg, billigste Variante scheint Pluspäckchen zu sein. Muss ich dazu diese spezielle Verpackung kaufen.
Der Mitarbeiter äußerte mir gegenüber seinen Respekt, denn das wäre ja in der Tat eine gute Frage.
Und las mir dann den Text vor, den ich bereits im Internet gefunden hatte. Und vermutete dann das, was ich auch schon vermutet hatte.
Ich stellte noch eine weitere Frage und auch da hatte er offensichtlich genauso viele Informationen wie ich.
Aber war schon irgendwie schön mal drüber gesprochen zu haben. Er bedankte sich für das Telefonat und ich antwortete: „Gerne“.

Ich musste mich also nun doch aufmachen zur Post. Ich wickelte das Buch in Luftpolsterfolie und nahm noch etwas Füllmaterial für das vermutlich zu große Paket mit. Auf dem Weg fiel mir ein, dass es in meinem Kiez ja noch einen kleinen Postladen gibt. Der Mitarbeiter dort wollte mich jedoch unbedingt Richtung Paket lenken (einen Euro teurer). Ich musste ziemlich lange auf ihn einreden, bis er zugabe, dass dieses Pluspäckchen tatsächlich die günstigste Variante ist. Wenn auch ohne Sendungsnummer (aber dass die nichts bringt, habe ich ja schon einmal leidvoll erfahren müssen).

Er befreite das Pluspäckchen aus seiner Plastikverpackung und baute mir den Karton zusammen. Leider reichte mein Füllmaterial nicht aus, um das Buch in dem riesigen Paket etwas mehr zu stabilisieren. Im Laden konnte ich leider nichts finden. Benutzte Kaffeebecher erschienen mir unpassend. Kaum hatte ich mein Paket zugklebt, bot er einem anderen Kunden, dem er vorher auch eine größere Paketgröße aufschwatzen wollte („kostet nur 3 Cent mehr“ und als der erstaunt nachbohrte: „Ja, 30 Cent mehr“) Füllmaterial an. Zu spät und ich hatte ja schließlich die schöne Luftpolsterfolie um das Buch herum geklebt. Das würde schon gutgehen.

Also, wenn sich der Empfänger meines Buches jetzt nicht richtig dolle über dieses unglaublich hübsch gestaltete Pluspäckchen freut, dann weiß ich auch nicht weiter.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s