Werbepausen

Vor vielen Jahren habe ich meinen Fernseher abgeschafft. Mein Ziel: weniger zu glotzen. Leider hat das nicht ganz funktioniert. Je mehr TV-Sender ihr Programm in Online-Mediatheken veröffentlichten, desto mehr stieg mein Fernsehkonsum auch wieder an.

Einzig einen Vorteil hatte ich gegenüber dem klassischen Glotze gucken – mir blieben die zahlreichen Werbepausen erspart. Leider sind die privaten Sender immer pfiffiger in der Abwehr von Adblockern geworden, so dass ich mich mehr und mehr mit Werbung abfinden muss.

Allerdings arbeitet der privatrechtliche Rundfunk wirklich intensiv daran mich zu loszuwerden:
Vorhin setzte mein Herz mal wieder kurz aus, als nach der Sendung in 200% erhöhter Lautstärke für eine Fahrt mit der AIDA geworben wurde. Niemals werde ich mit diesem Schiff auf Reisen gehen, denn angesichts dieses Getöses in der Werbung um den Kunden, muss ich ja befürchten, dass die Passagiere während der Fahrt dauerbeschallt und stets angebrüllt werden.

Ich gebe zu, ich gucke einigen Trash. Castingshows und Dokusoaps wird ja ein bildungsfernes Zielpublikum unterstellt. Ob das der Grund ist, dass eine Sendung im Schnitt von etwa 7 Werbepausen unterbrochen wird, in denen jeweils derselbe Werbespot dreimal hintereinander gesendet wird? Also 21x der gleiche Spot innerhalb von 60 Minuten.

Hält man das Publikum wirklich für so unterirdisch gering aufnahmefähig? Oder ist das ein soziales Experiment?

Bei mir wirkt es: Sollte irgendjemand jemals auf die Idee kommen mir ein Fläschchen Chloé Parfüm zu schenken, werde ich ganz laut schreien: „Nun geh‘ doch endlich ran“ und den Flakon gegen die nächste Wand pfeffern, denn mit dieser Irren möchte ich nichts zu tun haben.
Ähnlich geht es mir mit O2. Die ersten drei Töne der Werbemelodie reichen aus, um meinen Pulsschlag radikal zu erhöhen und vor mich hinzubrabbeln, dass O2 känn duh mich kreuzweise, aber sowas von.
Auch das Wort „Ratten“ bringt mich in Rage. Irgendein beklopptes Spiel von RTL, das ich niiiiiemals spielen werde.

Richtig geglückt fand ich ja die Reklame in einem Horrorfilm: Als der Sohn gerade dabei war mit der Axt auf den Kopf seiner Mutter einzuschlagen, regte der Werbespot dazu an, doch ein Fotobuch mit den schönsten Familienbildern zu gestalten.

Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch als Probandin dieses Experiments zur Verfügung stellen kann.

Geht es vielleicht doch darum die Menschen wieder mehr zum Lesen von Büchern zu bewegen? Wäre ja nicht die schlechteste Intention.

Oder glauben die Sender tatsächlich, dass dieser Psychoterror auch nur einen Menschen dazu verleiten könnte irgendeines dieser Produkte zu kaufen?

Jetzt mal ernsthaft, wer sollte dies tun?

Wer?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s