Die Restauranttesterin

Es gibt ja Menschen, die sind in der Lage, einen leeren Raum vor ihrem geistigen Auge einzurichten. Oder auch eine bestehende Einrichtung im Kopf neu planen. Ich kann das überhaupt nicht. Ich muss das sehen wie ein hellerer Teppich oder das Umstellen eines Schranks auf die andere Seite wirken könnte. Dementsprechend kann ich oft nur formulieren, dass mir etwas nicht passt: zu düster, irgendwie ungemütlich, unbequem etc. Aber ich kann keine konkreten Vorschläge machen – außer natürlich: hier braucht es bequemere Stühle, hier müsste es heller sein. Aber wie diese Stühle aussehen sollten oder wodurch es heller werden könnte – das weiß ich doch nicht.

Da mich Leute beeindrucken, denen die Raumumgestaltung leicht von der Hand geht, gucke ich gerne Sendungen wie „Der Restauranttester“ (wobei es eigentlich nur der „Rach“ ist, den ich gut finde, die anderen schwärmen zu sehr für sich selber, aber das ist eine andere Geschichte). Möglicherweise geprägt durch diese Sendungen und gepaart mit der Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: warum funktionieren manche Cafés/Restaurants und andere gleich daneben überhaupt nicht, habe ich angefangen meine Café-Besuche bewusster zu gestalten.

Wenn ich mich unwohl fühle, überlege ich warum. Sehr oft überlege ich, ob ich den Besitzern einen Tipp geben sollte, warum ihr Café möglicherweise leer ist, auch wenn alle anderen in der Straße überfüllt sind. Ist nur die Frage, ob die das wirklich wissen wollen. Zumal ich es ja nur die Probleme aufzeigen und selten Lösungsansätze bieten könnte.

Heute waren wir in einem Café Frühstücken. (Zu meiner großen Freude ein Café, das Tee noch unter 2 Euro verkauft. Aber das ist ja auch wieder eine ganz andere Geschichte.)
Als ich das fremd-benutzte Geschirr von unserem Tisch abräumte und hinein brachte, meinte die Bedienung, dass sie das schon tun selber würde. Nach einem Blick auf drei weitere unabgeräumte Tische in dem wir die einzigen Gäste waren, fragte ich mich lautlos, natürlich, wann sie das wohl tun würde…

Draußen fiel uns irgendwann auf, dass der Geruch des Erbrochenen auf dem Bürgersteig unweit des Cafés doch ein wenig zu uns herüber wehte. Ich überlegte, ob ich es ansprechen sollte. Nach Besuch der Toilette und der erneuten Durchquerung des Cafés ließ ich den Gedanken fallen, angesichts meines starken Impulses „hier mal durchzuwischen“.

Beim Bezahlen sprach ich das Thema Geruchsbelästigung dann doch an. Die Bedienung meinte, das sie das gar nicht mitbekommen habe, das sei vorhin noch nicht da gewesen; sie wollte sich jedoch gleich mal kümmern.
Als wir 10 Minuten später an dem Café vorbeikamen, stand unser Geschirr noch auf dem Tisch und auf dem Bürgersteig befand sich noch immer der Grund für die Geruchsbelästigung…

Der heutige Versuch zumindest eine Sache anzusprechen, zeigte jetzt nicht wirklich viel Erfolg. Angesichts der Tatsache, dass so viele Leute was zu Meckern haben, ist es ja auch die Frage, ob die Leute wirklich ungefragt Hinweise bekommen wollen. Die Alternative wäre einen Brief oder eine E-Mail zu schreiben. Stellt sich mir gleich die Frage: Anonym oder mit Absender? Nachher werde ich noch angezeigt für mein unberechtigtes Einmischen oder den Ärger, den ich vielleicht sogar den Angestellten verursacht habe. Aber anonyme Hinweise von „einer Freundin“… Lasse ich.
Und die Bewertungsplattformen im Internet für kritische Anmerkungen zu nutzen, ist auch nicht so toll, wer weiß, ob das nicht einen Shitstorm gegen das kritisierte Café auslöst.
Schade, denn es sind ja oft leicht zu ändernde Dinge, die mehr Kund_innen anlocken könnten…

Vielleicht sollte ich es auch den Wirten überlassen, nach meinem Feedback zu fragen. Ich hinterlasse in Zukunft einfach unkommentiert meine – noch zu erstellende – Visitenkarte:
„Wieso eigentlich? – Restauranttesterin aus Leidenschaft“

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s