Anrüchig

Bild Gestern war ich beim Arbeitsamt. Eigentlich finde ich das ja nicht schlimm. Aber dennoch stellte ich fest, dass ich es bis zur letzten Minute hinausgeschoben hatte, mir die Unterlagen genauer anzuschauen. Ich hatte einen Termin zur Antragsabgabe und wollte mich vorher noch schnell offiziell arbeitslos melden. Ich musste leider feststellen, dass dies am Ersten eines Monats um die Mittagszeit nicht die beste Idee war.

Ich stellte mich ans Ende der Schlange und nach fünf Minuten stand ich noch an etwa der selben Stelle, nichts hatte sich bewegt. Also beschloss ich, erst einmal zu meinem Termin zu gehen und mich anschließend wieder einzureihen.

Aus dem Fahrstuhl stürzte mir eine Frau entgegen, die hektisch mit den Händen wedelte, um deutlich zu machen, dass es im Fahrstuhl unglaublich schlecht riecht, und sie froh war dieser Tortur endlich zu entkommen. Ich schnupperte vorsichtig, konnte aber das große Leiden der Frau nicht nachvollziehen.

Im Warteraum herrschte eine gedämpfte Stimmung. Mitarbeiter*innen des Arbeitsamts erkennt man an ihren Schlüsseln, mit denen sie die klinkenlosen Räume aufschlossen und an den klappernden Schuhen, mit denen sie hin und her laufen.
Die Wartenden beschäftigten sich mit ihren Smartphones, ihren Unterlagen oder mit dem Hören von Musik.
Ein Mann, den ich der kreuzberger Musikszene zugeordnet hätte, kam von der Toilette zurück und holte anschließend eine Flasche mit blauer Flüssigkeit aus seiner Tasche und desinfizierte seine Hände. Mit seltsam hektischen Bewegungen.

Schon der Zweite, der deutlich machte, dass ein Besuch beim Arbeitsamt irgendwie mit Bakterien und schlechten Gerüchen zu tun haben scheint.

Ich wurde aufgerufen. Meine Sachbearbeiterin gab mir nicht die Hand (wer weiß, was die Kund*innen für Krankheiten haben) und platzierte mich so, dass ich nicht sie, sondern die Wand anguckte. Dort hingen ein asiatisches Bild und ein Kalender. Ob ich so angeregt werden sollte mir über die Planung der nächsten Tage und Wochen Gedanken zu machen?

Sie war freundlich und ich gut vorbereitet. Sie wies mich darauf hin, dass ich mich unbedingt am Empfang noch arbeitslos melden müsse. Und verabschiedete mich.

Ich fuhr mit dem Fahrtsuhl ins Erdgeschoss und reihte mich in die nun leider länger gewordene Schlange ein. Etwa 25 Personen vor mir. Da es sehr langsam voran ging, wurden einige unruhig und empörten sich, dass die Mitarbeiter*innen um die Mittagszeit in die Kantine gingen, statt an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben. Als ich es nach 20 Minuten fast geschafft hatte, bekam ich mit, dass viele der Kund*innen vor mir in die erste Etage geschickt wurden. Ich freute mich, dass ich mich im Vorfeld so gut um alles gekümmert hatte, dass ich jetzt nur schnell meinen Ausweis zeigen und dann meinen Arbeitsamtsbesuch erfolgreich hinter mich gebracht haben würde.

Umso größer der Schreck als die Sachbearbeiterin meinte: „Sie müssen jetzt in die erste Etage. Sie werden dort namentlich aufgerufen“. Im ersten Stock traf ich dann auf die, die ich bereits in der Schlange vor mir getroffen hatte. Ich stellte mich seufzend auf eine längere Wartezeit ein, wurde jedoch bereits nach etwa 2 Minuten aufgerufen und diesmal, nach einer wieder handlosen Begrüßung, so platziert, dass ich direkt auf den Bildschirm der Bearbeiterin gucken konnte. Sie klickte in Windeseile alle möglichen Dinge an, stellte mir eine Frage und verabschiedete mich dann freundlich.

Ich werde jetzt mal in eine Drogerie gehen und mir Desinfektionsmittel kaufen, frau weiß ja nie…

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