Echt scharf

Gestern wollte ich in meiner Mittagespause eigentlich nur schnell ein Süppchen essen. Doch leider hatte der Suppenladen meines Vertrauens nur die Suppen vorrätig, die ich gar nicht mag. Ich habe noch eine kleine Runde durch den Kiez gedreht und mich dann für die Pommesbude gegenüber entschieden. Ich hatte mir schon mehrmals geschworen, diesen Laden nie wieder zu betreten: Das Personal ist mir einfach zu schmierig – es werden untereinander zotige Sprüche gemacht und echte Schenkelklopferwitze gerissen – der/die Kund*in wird im Gegensatz dazu mit verbalem Honig übergossen. Beim Rausgeben von Restgeld wird mit langen Fingernägeln endlos in der Trinkgelddose nach den entsprechenden Münzen „gesucht“, manchmal wird sich auch „verrechnet“. Es spricht also alles dagegen – wenn da nicht dieser Kartoffelsalat wäre… Von der Mutter des Besitzers selbstgemacht. Sehr lecker!
In dieser Pommesbude ist man sehr stolz auf die scharfen Soßen. Da ich in meinem engsten sozialen Umfeld schon Beschwerden über die Schärfe des Essen bekomme, wenn der Pfefferstreuer mal 1-2 Krümel verloren hat, bin ich, was Schärfe angeht, etwas entwöhnt. Zudem habe ich noch nie einen Sinn darin gesehen, etwas zu essen, das „wie Feuer brennt“.
Gut, das sehen andere ja anders. Und so bestellte die Frau, die vor mir dran war, eine Currywurst mit der Schärfestufe 8.
Die Bedienung fragte nach, ob die Kundin die Nr. 5 schon einmal probiert hätte. Die Kundin reagierte beleidigt. Sie würde einiges vertragen und wolle die Acht. Die Bedienung konterte, dass das viele behaupten würden und dass die Acht wirklich scharf sei. Die Kundin beharrte auf ihre Schärfeerfahrung. Die Bedienung rief laut in die Küche „Jonny, mach mal die Sieben klar, hier will eine die Acht!“. Diese laute Ansage brachte die beiden männlichen Currywurst-essenden Kunden zu einem lauten Raunen: „Die Acht! – Hoho!“. Von Jonny aus der Küche kam keine Reaktion. Die Bedienung schüttelte eine kleine Flasche und bereitete eine Kostprobe vor. Die Kundin fragte, ob dies die Sieben sei. „Nein, erst einmal die Fünf“. Die Kundin kostete eine kleine Löffelspitze und meinte anschließend, sie würde doch nur die Vier haben wollen. Und einige Sekunden später meinte sie, dass die Drei vermutlich auch reichen würde. Die Bedienung rief laut in Richtung Küche „Jonny, kannst die Sieben stecken lassen“. Etwas gegen den Schmerz zu trinken lehnte die Kundin ab, aber sie bestätigte auf Nachfrage, dass es ihr gut gehen würde, ‚aber die Soße wäre ja tatsächlich scharf‘.
Ihr Begleiter bestellte sein Essen „spicy“ ohne eine Nummer zu nennen.
Ich bestellte mein Essen total unscharf und setzte mich an einen Tisch.
Die Diskussion der beiden am Nebentisch, dass das hier ja wirklich scharfe Soßen seien und dass ja viele Läden behaupten würden, dass ihre Soßen scharf seien, aber locker auszuhalten, wurde unterbrochen, nachdem er ein Stück von seiner „spicy Wurst“ gegessen hatte – Offensichtlich sehr scharf. Er war für einige Zeit sprachlos und fächelte sich bei geöffnetem Mund Luft zu. Sie aß erst einmal nur die Mayonaise auf den Pommes, dann Pommes mit Mayo. Die Wurst ließ sie erst einmal links liegen. Auch er konzentrierte sich auf die Pommes. Die Pommes mussten unglaublich heiß sein, denn die beiden pusteten jede einzelne Fritte sehr intensiv an.

Ich genoss mein total unscharfes Essen und schwor mir erneut, diesen Laden trotz des Unterhaltungswerts und des auch diesmal wieder sehr leckeren Kartoffelsalats künftig zu meiden. Der Beschluss wurde beim Bezahlvorgang bekräftigt – sie haben bedauerlicherweise einfach nie Wechselgeld in der Kasse…

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