Noch da?

Ich liebe es Dinge wegzuwerfen. Volle Tüten in den Altkleidercontainer werfen, Flaschen im Flaschencontainer entsorgen, Bücher spenden – einfach toll.

Diese Liebe fürs Entrümpeln habe ich vor ein paar Jahren entdeckt. Auslöser oder zumindest Verstärker dieser Leidenschaft war das Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston.
Ich glaube, ich habe dieses Buch nie zu Ende gelesen, aber das, was ich gelesen habe, war inspirierend genug.

Eine Bücherserie, die ich über Jahre abonniert hatte, habe ich der Bücherei gespendet. Der neu gewonnene Platz im Bücherregal – herrlich!

Beim Kauf neuer Dinge frage ich mich nun oft: Brauchst du das wirklich? Und trotz dieser Konsumbremse, gibt es immer wieder Dinge, die ich loswerden möchte. Doch manches ist mir so kostbar, dass ich es verkaufen möchte.

Am Wochenende habe ich festgestellt, dass mir die Deckenlampe im Arbeitszimmer nicht mehr gefällt. Abmontiert, abfotografiert, Preis überlegt und online gestellt, in dem Kleinanzeigenportal meines Vertrauens.

Nach der Veröffentlichung wird es immer spannend: Haben andere Interesse an dem Gegenstand, an dem ich das Interesse verloren habe?
Wenn dem so ist, gehört es zum Ritual, dass die potentiellen Kunden per E-Mail fragen: „Ist die Lampe noch da?“ Ich schreibe dann zurück: „Ja, die Lampe ist noch da.“ Von den meisten höre ich anschließend nie wieder etwas und frage mich, was das für eine seltsame Leidenschaft ist diese eine Frage zu stellen und sich dann nicht mehr zu melden. Reicht ihnen die Gewissheit, dass sie die Lampe haben könnten, wenn sie denn wollen? Oder handelt es sich dabei um eine Marktrecherche? Oder sind das erfolglose Verkäufer, die sich am möglichen Nichterfolg der anderen ergötzen wollen?
Ich werde es wohl nie erfahren. Eine Zeitlang habe ich gedacht, es könnte daran liegen, dass ich keine Telefonnummer hinzugefügt habe. Aber selbst wenn ich diese dann in der „Ja, sie ist noch da“ – Antwortmail angegeben habe, rief niemand an.

Neulich wollte ich Schuhe für 20 Euro verkaufen. Die Anfrage per E-Mail lautete „10 Euro???????“. Ich brauchte eine Weile um diese E-Mail zu entschlüsseln, da ich den angesetzten Preis vergessen hatte, dachte ich es könnte heißen: „Was so billig, nur 10 Euro?“ Oder eben das Gegenteil: „Wie, 10 Euro?“. Aber dann kam ich drauf: „Ungesehen, aber ich zahle nur 10 Euro“. Ich habe abgelehnt. Schließlich sind die Schuhe neu und ich warum sollte ich einfach so den Preis um 50% senken?

Eine Unart die direkten Preisverhandlungen schon vor der Besichtigung zu beginnen. Da bevorzuge ich doch die dezenten Nachfragen „ist die Lampe auch wirklich funktionstüchtig?“ als langsames Herantasten an die Preisverhandlungen.

Mittlerweile bin ich etwas geübter im Überlegen, was ich mindestens haben will und welche Argumente für den ursprünglichen Kaufpreis sprechen. Bei einem Schrankverkauf habe ich das wohl so gut gemacht, dass mich der türkische Käufer fragte, ob ich südländische Wurzeln hätte.
Aber dennoch, es gibt immer wieder mal Entgegnungen, die mich überraschen. Das Argument, dass der bei dem Verkaufsgespräch anwesende Sohn ja dann von dem eingesparten Geld zwei Burger bekommen könnte, hat mich dann doch etwas überrumpelt. Ich kam immerhin drauf mit der Gesundheit zu argumentieren und dass ein Burger ja vielleicht auch reichen würde.
Aber erst einmal war ich sprachlos, würde das Kind hungern müssen? Und – viel wichtiger, würde ich die Lampe auch an jemand anderen loswerden, der die geforderten vier Euro mehr zahlen würde?

Darauf hatte der bestimmt gebaut, dass ich ihn so nahe vor dem Verkaufsziel nicht nach Hause schicken würde. Aber meine Gesundheitsantwort schien ihn auch ein wenig überrascht zu haben, denn er musste nach dem eigentlich nicht für mich eingeplanten „Burgergeld“ eine Weile suchen. Die von ihm geplante Summe hatte er vorbereitet in der Hosentasche.

Nachdem Käufer und der verkaufte Gegenstand meine Wohnung verlassen haben, besonders, wenn es sich dabei um „gute Hände“ handelt, bin ich jedes Mal sehr erleichtert und froh.
Das liegt unter anderem daran, dass mir nach Nennung meiner Adresse und der Zeiten, zu denen ich zu Hause bin, ergo auch der Zeiten, zu denen ich nicht zu Hause bin, immer etwas unwohl ist: Sind das vielleicht Trickbetrüger oder Einbrecher, die mich auf diese Weise aushorchen und dann ausrauben wollen…?

Aber noch viel schöner ist das Gefühl der Befreiung. Wieder etwas Ballast losgeworden. Platz für Neues geschaffen. Energien freigesetzt. Ich kann es nur empfehlen.

Für alle, die es interessiert – nein, die Lampe ist nicht mehr da.
Aber die Schuhe  – die  für 20 Euro, die sind noch da!

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