Wieso fragt mich keiner?

Ist ja jetzt nicht so, dass ich musikalisch wäre oder das Fernsehwesen akademisch studiert hätte, dennoch: Manche Dinge in der Glotze verstehe ich einfach nicht.

Wieso behaupten alle, dass es bei Musikcastingshows nur um die Stimme gehen würde? Das mag ja vielleicht für den ersten Moment (oder die „Blind Auditions“ bei einem speziellen TV-Format) gelten, aber alle Kommentare danach sagen es doch ganz deutlich: Es geht um die Ausstrahlung und/oder das Gesamtpaket. Und dabei stellt die Stimme nur eine Facette dar.

Was ich auch nicht verstehe: Warum gibt es bei einer Staffel von was auch immer so viele Wiederholungen? Was ist in der letzten Folge passiert? Rückblende in eine ältere Staffel. Und ganz schlimm: Die Wiederholungen nach den Werbepause innerhalb einer Sendung. Ist es wirklich so, dass die Zuschauer*innen kollektiv an starken Gedächtnisstörungen leiden?

Vermutlich ist die Aufbereitung von immer dem selben Material günstiger als 45 Minuten ohne Wiederholungen zu füllen. Oder filmen die Fachleute wirklich so viel Schrott, dass sie 20 Minuten Material auf 45 Minuten strecken müssen?

Dass mich die mehrfache Wiederholung von Werbeclips in einer Werbepause in den Wahnsinn treibt, habe ich ja schon einmal kundgetan.
Würde ja gerne mal die dafür Verantwortlichen zwingen sich so eine Sendung von Anfang bis Ende anzuschauen. Sind die wirklich so hirntot, dass es sie nicht stört? Oder gibt es auch hier wissenschaftliche Studien, die nachweisen, dass die Verkaufszahlen nach dieser Werbe-Folter steigen? Ich kanns echt nicht glauben, aber mich fragt ja leider keine*r.

Ich bin ja schon auf einen Streamingdienst umgestiegen, weil dort die Werbepausen wegfallen. Doch leider fallen da auch ganz andere Dinge weg: Mir ist es jetzt schon mehrfach passiert, dass Serien oder Triologien, die ich mit großer Begeisterung geguckt habe, mittendrin kostenpflichtig werden. Bin mir langsam nicht mehr sicher, ob das noch Zufall ist oder ob ich damit zu dem größten Streaminganbieter getrieben werden soll.

Vielleicht ist das Ziel aber auch, mich wieder mehr fürs Lesen zu begeistern. Da habe ich doch prompt mal nach der Fortsetzung eines Romans geguckt, den ich sehr lesenswert fand. Aber es scheint mein Karma zu sein, dass ich Schwierigkeiten mit Medien habe, die es in einer Serie gibt.

Ob dies an meiner Einmaligkeit liegt? Vielleicht fragt mich ja deswegen keine*r?

Bewertungen

Mein Verhältnis zu Bewertungsportalen ist zwiegespalten. User*kommentare und -bewertungen finde ich beim Kauf von technischen Geräten oder auch bei der Buchung von Zimmern oft sehr hilfreich.

Aber teilweise staune ich ja darüber, was Leute so zu kritisieren haben. Manchmal ist das natürlich auch hilfreich die Perspektive der anderen in eine Kaufentscheidung einbeziehen zu können. Aber manchmal frage ich mich auch, ob die Leute keine anderen Hobbys haben. Und bin froh, dass ich mich nicht in einem beruflichen Umfeld bewege, in dem viele schlechte Bewertungen zu einem Umsatzeinbruch führen können.

Wenn ich auswärts Essen gehe, habe ich ja schon des öfteren den Impuls die Besitzer*innen auf einige Dinge aufmerksam zu machen. Aber dann frage ich mich auch oft, ob die das wirklich wissen wollen. Und ob das, was ich als störend empfinde anderen doch völlg egal ist. Denken ja nicht alle so wie ich.

Im Urlaub hatte ich mir, nach dem Lesen vieler Kommentare ein Hotelzimmer gesucht, was ich sehr gut fand. Ich fand es sogar richtig gut. Doch nachdem ich so viele Spitzfindigkeiten anderer gelesen hatte, fielen mir natürlich auch einige dieser Minikleinigkeiten auf. Ich entschied mich bewusst, nicht sofort eine Bewertung abzugeben. Ich hätte das Hotel kritischer bewertet, als ich es eigentlich fand. Natürlich fand ich die versiffte Matratze sowie die toten Fischköpfe in unmittelbarer Nähe des Hotel nicht so ansprechend, aber im Vergleich zur unterirdischen Unterkuft, die ich mir in der ersten Nacht des Urlaubs gesucht hatte, war das wirklich nicht der Rede wert.

Vor einigen Jahren habe ich mich mal bei einem Bewertungsportal angemeldet, weil der Service in einem Cafè wirklich unglaublich daneben war. Und irgendwo musste ich meiner Empörung Luft machen. Ich bin dann viele Jahre nicht mehr in dieses Café gegangen. Mein Boykott hat die nicht weiter beeindruckt, die schlechte Bewertung schon: Der Plattformbetreiber schrieb mich – auf Druck von der Cafébesitzerin – an und ich musste meine Bewertung verteidigen.

Gestern war ich in einem Café, in dem ich eigentlich ganz gerne bin. Die Toiletten dort sind zwar ziemlich gruselig, aber das Frühstück und die Aussicht sind sehr schön. Gestern nun habe ich ein Frühstück bestellt, das ich dort sehr gerne esse. Kurz nach der Bestellung kam der Kellner noch einmal zurück und fragte noch einmal nach. Danach dauerte es noch eine ziemliche Weile gedauert, bis ein Kellner mit einem Frühstücksteller ankam. Es war das falsche Frühstück. Eine Weile später kam ein anderer Kellner mit einem anderen Frühstück, auch dies war falsch. Ich brachte es zum Tresen. Der Kellner nahm meine Reklamation zur Kenntnis, kam dann kurz danach an meinen Tisch und meinte, er hätte ja nun gehört, dass ich schon das erste Frühstück zurückgeschickt hätte und die Küche ja nun gar nicht wüsste, was ich wolle und ich den Betrieb aufhalten würde. Was genau denn auf meinem Teller sein sollte. Ich war echt auf 180. Ich hatte eines der vier Standardfrühstücke bestellt. Einzige Besonderheit: Ich hatte die Oliven abbestellt. Und bei einer Kundin am Nebentisch konnte ich ja sehen, dass sie dieses von mir bestellte Frühstück offensichtlich können.
Wenige Minuten später kam das richtige Frühstück, natürlich ohne Entschuldigung seitens des Kellners.
Eigentlich hätte ich gehen müssen. Habe auch kurz überlegt, ob ich das Gespräch suche, aber da wir schon Schwierigkeiten hatten, einen Kellner zu kontaktieren, um bezahlen zu können, vermutete ich, dass meine Beschwerde niemanden interessieren würde.

Es juckt mich ein klein wenig in den Fingern, meinen alten Bewertungsaccount wieder zu reaktivieren, aber das Portal wurde in der Zwischenzeit von einem anderen Anbieter aufgekauft und ich müsste mich erst einmal informieren, welches Portal gerade angesagt ist.

Und die wichtigste Frage: Würde mein veröffentlichter Frust den Cafebetreiber wirklich beeindrucken?

Gib mir fünf

Ich gucke gerade eine Sendung, in der sich die Akteure sehr oft „die fünf“ geben. Also die Hände heben und diese in einander einschlagen. Falls es mal jemand genauer beschrieben haben möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/High_five.

Na, jedenfalls habe ich mich gefragt, wie man in Deutschland seiner Zufriedenheit oder Freude Ausdruck verliehen hat, bevor es diese High five Geste gab…

Und im nächsten Moment habe ich mich gefragt, warum diese Geste in meinem Leben so gut wie gar keine Rolle spielt. Die wenige Male, wo ich jemanden ein High five gegeben habe, waren irgendwie verkrampft.

Gibt es in meinem Leben so wenig Grund zur Freude? Oder zu wenige freudige Gruppenerlebnisse? Oder liegt es daran, dass ich Gruppensportarten meide? Oder fehlt es mir an der Ausstrahlung, die Leute zum High five animiert?

Ich fand ja, dass mein Leben auch ohne diese exzessive Abklatscherei einen Sinn hat. Aber nun, wo ich seit mehr als einer Stunde ganze High five Orgien beobachte und mir diese existentielle Frage stelle, komme ich ja doch ins Grübeln.

Und zu meinem Schrecken muss ich nach einer kurzen Googelei „Leben ohne High five“ feststellen, dass ein aktueller Trend vollkommen an mir vorbeigegangen ist: Das High-Five-Selfie.  Ist ja nicht so, dass ich jeden Trend mitmachen müsste. In meinem letzten Urlaub fand ich ja das erhöhte Selfiestickaufkommen auf Schiffen und an schönen Aussichtspunkten ziemlich bescheuert.

Ich scheine irgendwie anders als andere zu sein…aber immerhin schreibe ich in diesem Blog…das scheint ja auch gerade voll hip zu sein, aber das ist eine andere Geschichte…

Aufgeschlossen

Als ich nach dem Studium an den ersten Bewerbungen saß, übernahm ich einen gut klingenden Satz von einer Freundin. Eine Kommilitonin meinte, dass ich alles sei, nur nicht „aufgeschlossen“, wie ich in dem Satz behauptet hatte.

Wenn ich im Duden lese „am geistigen Leben interessiert und bereit, neue Gedanken und Erkenntnisse zu verarbeiten“, dann bin ich vollkommen aufgeschlossen. Behaupte ich jetzt mal. Wozu, wenn nicht dazu, Neues zu verarbeiten, dient mir denn dieser Blog?

Dennoch habe ich die Vokabel damals aus meinen Bewerbungen entfernt. Und seitdem stelle ich tatsächlich immer wieder fest, dass ich ganz und gar nicht aufgeschlossen bin. Zumindest neuen Gruppen(situationen) gegenüber.
Ich überlege sehr genau, wann ich mich in Gruppen begebe. Und in den ersten Stunden/Tagen verspüre ich immer sehr starke Fluchttendenzen.

Heute war ich mal wieder in einer neuen Gruppe. Und tatsächlich habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich mache: Die anderen Teilnehmenden viel zu jung. Ob ich mit denen jemals warm werden würde?? Der Raum zu unordentlich, die Gegend zu gruselig und wieso ist die Seminarleitung so sparsam mit ihrem Augenkontakt?

Es war der erste Termin und daher bin ich noch in meiner Fluchtphase. Ich werde wieder hingehen, auch wenn ich mich noch nicht so richtig aufs nächste Mal freuen kann. Schließlich weiß ich ja, dass ich mich mit neuen (Gruppen-)Situationen schwer tue.

Eigentlich habe ich auch noch nie eine wirklich schlimme Gruppenzeit erlebt. Einzelne Leute fand ich doof, zum Teil sogar richtig schlimm und oft hätte ich als Seminarleitung eine ganze Menge anders gemacht, aber in der Summe waren die Gruppenerlebnisse gut. Und eigentlich habe ich immer jemanden oder etwas gefunden, was die schlechten Situationen ausgeglichen hat.

Allerdings brauche ich immer etwas Zeit und gerne auch eine gute Freundin, um die Erlebnisse zu verarbeiten.
Also bin ich im Rahmen meiner Unaufgeschlossenheit total aufgeschlossen (siehe Duden).🙂

Fahrradkauf

Ich muss mir ein Fahrrad kaufen. Tatsächlich ist es das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir ein Fahrrad für mich selbst kaufe. Für andere habe ich schon 2x ein Fahrrad gekauft, für mich selbst noch nie. Mein aktuelles Fahrrad habe ich überlassen bekommen. Leider hat irgendein Horst oder eine Horstin meinen Rahmen angesägt, so dass dieser gebrochen ist. Die Bruchstelle konnte zwar geschweißt werden, aber der Schweißende hat dies auch nur unter Vorbehalt getan. Und dringend zum Fahrradwechsel angeraten.

Da ich mir zuletzt vor ca. 30 Jahren, als Fahrräder einfach nur zum Fahren da waren, ein Fahrrad selbst ausgesucht habe, bin ich ziemlich planlos, was das richtige Fahrrad für mich angeht. Ich habe mit Staunen registriert, wie sich der Fahrradmarkt in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat. Und war mit meinem Fahrrad eigentlich sehr zufrieden.

Mein Liebster findet, dass ich mir ein Fahrrad mit drei Gängen und einer Rücktrittbremse zulegen sollte. Das finde ich unerhört. Nur, weil ich die Gangschaltung, des Fahrrades, das ich seit ca. 16 Jahren benutze, bis heute nicht verstanden habe und eigentlich nur immer einen Gang benutze, dies aber auch nur deswegen, weil immer dann, wenn ich den Gang mal wechsle, ich Stunden brauche, um wieder einen Gang zu finden, mit dem ich auch vorwärts komme, also nur deswegen brauche ich keinesfalls ein Fahrrad mit Dreigangschaltung. So ein Fahrrad benutze ich als Zweitrad manchmal an den Wochenenden und das Fahren damit macht keinen Spaß.

Ich habe heute eine Seite gefunden, die die Unterschiede der verschiedenen Fahrradtypen beschreibt. Und das was mein Liebster mir vorschlägt ist ein Citybike. Gut geeignet für Seniorinnen und Menschen, die nach langer Pause wieder aufs Fahrrad steigen. Abgelehnt. Schließlich nutze ich mein Fahrrad täglich, um zur Arbeit zu kommen. Und dies möglichst zügig.

Was ich wohl brauche ist ein Trekkingfahrrad. Nicht, dass ich die Absicht hätte über Schotterwege zu fahren, aber als Anwohnerin in einer Gegend mit vielen „verkehrsberuhigenden Hindernissen“ auf der Straße sowie Wurzelerhebungen auf den Fahrradwegen, scheint mir so ein stabiles Fahrrad, mit dem ich aber dennoch auch mal etwas schneller vorwärts komme, doch sehr sinnvoll.

Da ich zu den wenigen Menschen dieser Stadt gehöre, denen bislang noch kein Fahrrad geklaut wurde, habe ich die Absicht mir nur ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen. Ich möchte die Fahrraddiebe ja nicht in die Versuchung bringen. Und mich darüber ärgern müssen, dass mir ein teurer Wertgegenstand abhanden gekommen ist.

Für meine Recherchen habe ich ebay-Kleinanzeigen genutzt. Faszinierend finde ich ja, dass wenn ich dort in die Suchmaske „Fahrrad“ eingebe, mir überwiegend olle Damenfahrräder angezeigt werden. Gebe ich „Trekkingrad“ ein, werden überwiegend Herrenfahrräder angezeigt. Selbst bei „Trekkingfahrrad“ sind es erst einmal Damenfahrräder. Der Mann an sich, scheint kein Fahrrad zu suchen, sondern ein technisches Gerät, für das es Fachvokabeln gibt.

Da ich neulich einen Bericht gehört habe, in dem es darum ging, dass Damenprodukte in Drogerien in der Regel teurer sind, als Männerprodukte und für diesen Markt auch künstliche Frauenprodukte geschaffen werden – wie beispielsweise Rasierer, die mit einem rosafarbenen Griff versehen, mehr kosten, als Männerrasierer, obwohl sich die Rasierklingen in NICHTS unterscheiden. Also, weil ich den Bericht gehört habe, bin ich nun immer sehr skeptisch, wenn es um geschlechtsspezifische Angebote geht.

Bei den Fahrrädern aus meiner Jugendzeit bedeutete Herrenfahrrad = fiese Stange und Damenfahrrad = ohne diese fiese Stange. Warum es nun Mountainbikes für Damen und Herren gibt, verstehe ich daher nicht so richtig: Bei beiden ist die obere Stange angeschrägt. Das scheint mir bei einigen Trekkingrädern auch der Fall zu sein.

Bei aller Leidenschaft fürs Shoppen: Das Kaufen von Fahrgeräten finde ich total nervig. Die kann ich nicht nur nach Optik oder technischen Merkmalen (die mir zu 80% völlig unbekannt und daher auch egal sind) kaufen, ich muss sie ausprobieren. Kann man mir nicht einfach ein zu mir passendes, preislich akzeptables Fahrrad vor die Tür stellen und ich brauche dann nur noch dafür bezahlen?

Auskenner*innen

Bei der Abreise von meiner letzten Unterkunft kam ich mit meinen Nachbarn ins Gespäch, die vor 30 Jahren einen magischen Ort auf einer griechischen Insel entdeckt haben und seitdem immer wieder hinfahren.

Das hätte der Beginn eines interessanten Gesprächs werden können, wo ich doch in diesem Urlaub festgestellt habe, dass ich vor 27 Jahren das erste Mal nach Griechenland gefahren bin. Und mich eine Insel sehr fasziniert hat.
Aber die beiden waren zum einen mit ihrem Abreiseschmerz beschäftigt und zum anderen hielten sie mich für eine Anfängerin, ich war ja nur eine Woche auf dieser Insel gewesen und nicht wie sie mehrere Wochen (im Jahr).
Ich war allerdings auch nicht so richtig in der Stimmung, um die beiden für ihre Reiseerfahrung zu bewundern. Und ich glaube, diese Rolle wollten sie mir zuweisen.
Zudem gab es da einiges, was ich doch widersprüchlich fand: Sie erzählten mir, dass es auf ihrer magischen Insel einen Lidl gibt. Was ich etwas ironisch kommentierte, dass es ja wirklich sehr magisch klingen würde. Daraufhin erklärten sie mir, dass es sich natürlich nicht direkt an ihrem magischen Ort befinden würde, sondern am anderen Ende der Insel. Und sie würden dort auch nicht die doofen deutschen Produkte kaufen, sondern nur die griechischen, die dort preisgünstig verkauft würden.
Fand ich lustig, diesen Unterschied zu machen und alles Deutsche doof zu finden.
Ich gehe im Ausland übrigens mmer zu Lidl, wenn ich eines entdecke, einfach nur um zu gucken und mich an den Parallelen und Unterschieden zu erfreuen. Würde dies aber nie zugeben.

Neulich hatte ich gerade drüber nachgedacht, dass ich trotz meiner vielen Reisen nach Griechenland eigentlich kein Griechisch spreche. Nur einzelne Vokabeln, die eine Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ermöglichen.
Die beiden sprechen ein paar mehr dieser Vokabeln. Wie sie beim Talk mit der Vermieterin unter Beweis stellten. Ich konnte sehr gut folgen. Brauche ich also kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Ist doch schon mal was.

Die beiden hatten ihre Katze dabei. Das hätte mich ja tatsächlich mal interessiert, wie sie das gemacht haben. Ob die auch mit an den Strand darf oder den Tag im Appartment verbringt.
Vielleicht treffe ich die beiden bzw. die drei ja am Flughafen wieder, dann kann ich ja mal nachfragen.
Blöderweise habe ich mich in den beiden natürlich wiedererkannt.
Wenn man mich fragt, wohin man in Griechenland so reisen könnte, halte ich in der Regel einen längeren Vortrag über die einzelnen Inseln, die ich besucht habe. Bin ja Auskennerin. Nach meinem letzten hatte ich mir allerdings vorgenommen, die Leute mehr zu fragen, was sie denn suchen, bevor ich zu einem Vortrag aushole.
Und in diesem Jahr hatte ich auch das Gefühl irgendwie keine Auskennerin mehr zu sein. Kann nicht so genau sagen, woran das liegt. Vielleicht, weil ich diesmal außerhalb der Saison gefahren bin und damit viele Dinge nicht mehr so waren wie sonst. Ich, auf den Inseln, die ich schon oft besucht habe, diesmal in festen Unterkünften, statt auf dem Zeltplatz übernachtet habe. Oder auch, weil ich manche meiner „Stamminseln“ jetzt schon einige Jahre nicht mehr besucht habe, weil ich dachte, dass ich ja nicht immer auf die gleichen Inseln fahren kann.
Aber wie mir die beiden Langreisenden mit Katze erzählt haben: Mensch kann. Jedes Jahr auf die beiden gleichen Inseln, an den gleichen Ort.
Das ist mir ja in vielen Reise-/Ortsbeschreibungen die ich in den letzten Wochen gelesen habe, aufgestoßen: „Wer einmal hier war, kommt immer wieder.“ Das wird über vermutlich alle Inseln gesagt, die ich besucht habe. Und das klingt so bedeutungsvoll. Weil diese Orte etwas Magisches haben, was einen immer wieder in den Bann zieht. Da ist bestimmt was dran und so geht es mir ja auch.
Aber ist der Ballermann auf Malle wirklich magisch? Fahren die Leute deswegen immer wieder dorthin?
Ich bin vor jeder Reise immer wieder am überlegen, ob es klug ist, an die schon bekannten Orte zu fahren. Das hat etwas von nach Hause kommen und ist entspannend. Und es ist auch cool, sich auszukennen und blind den „geheimen“ Weg zum Strand zu finden. Auf meiner Lieblingsinsel wäre ich in diesem Jahr nie an meinem Lieblingsstrand gelandet, wenn ich ihn nicht schon gekannt hätte.
Aber es ist auch schön, neue Dinge zu entdecken. Und nicht nur das neu eröffnete Café, sondern ganz neue Orte.
Vermutlich ist es die Mischung, die es macht.
Kann ich heute, nachdem ich ein paar Stunden durch Athen gelaufen bin, bestätigen. War das hier eigentlich schon immer so voll? Aber mal davon abgesehen: Vieles war mir neu, aber als ich eine Postkarte in einen Briefkasten geworfen habe, den ich schon vor 27 Jahren benutzt habe, fühlte sich das gut an.

Merkt man meinem Text eigentlich an, dass sich meine Reise mit großen Schritten ihrem Ende nähert?
Da muss ich auf jeden Fall noch zwei Erkenntnisse zum Besten geben:
1. Es geht doch nichts über eine gut funktionierende Toilettenspülung.
2. Ich brauche einfach mehr Zeit und Gelegenheit zum Reisen.🙂

Fußabdrücke

Als ich neulich am Strand lang lief, fiel mir dieser Fußabdruck auf.

Fußabdruck

Ganz schön langer großer Zeh. Ich machte ein Foto und versuchte, nachzuvollziehen, ob der Zeh bei der/dem Besitzer*in wirklich so groß ist, oder dies durch eine bestimmte Gangart produziert werden kann.
Ich bin kurz davor im Internet über den Begriff „Vorderfußlauf“ gestolpert. Nicht, dass ich auch nur eine Ahnung hätte, wie dieser aussehen könnte, habe ich dennoch mal probiert meinen Fuß beim Laufen immer ganz abzurollen.
Ganz schön anstrengend, aber keinesfalls Großzeh verlängernd.
Immer wieder guckte ich zurück, nach meinen Fußabdrücken. Und kam mir schon ziemlich verhaltensauffällig vor. Zum Vergleich mit dem Großzehabdruck machte ich auch ein Foto von meinem Fußabdruck.
Ich überlegte, ob ich eigentlich einen Fußabdruck von mir im Internet veröffentlichen würde wollen. Immerhin eine sehr persönliche Datenspur, die ich da hinterlassen würde.
Praktischerweise sah der Abdruck nicht wirklich gut aus, das Licht stimmte nicht.

Beim nächsten Strandgang lief eine Frau vor mir, die sehr kleine Füße zu haben schien. Und um zu überprüfen, ob die wirklich klein sind, stellte ich mich genau in deren Abdruck. Waren gar nicht klein, sondern entsprachen genau der Größe meiner Füße. Nun gut, kann man sich drüber streiten, ob ich nun große oder kleine Füße habe.
Jedenfalls fand ich es faszinierend in die Fußstapfen der Frau vor mir zu treten und lief eine Zeitlang nur in ihren Fußspuren.
Und das war echt komisch. Mal von der Symbolik abgesehen „in jemandes Fußstapfen zu treten“, fragte ich mich, ob sie das nicht echt gruselig finden würde, wenn sie wüsste, dass ich das gerade ausprobierte. Und barfuß fand ich das auch ziemlich intim.
Ich brach das Experiment dann ab und lief wieder meinen eigenen Weg.
Und war auch ein wenig froh, dass Wasser und Wind, die (eigenen) Fußabdrücke verschwinden lassen.
Passenderweise entdeckte ich ein paar Tage später an einem anderen Strandabschnitt ein Schild, das ich leider nicht abfotografieren konnte, weil ich im Bus saß: „Hinterlasse hier bitte nichts, außer deinen Fußabdrücken“.
Und ich musste an jemanden aus meinem nächsten Umfeld denken, der die Haltung von jemand anderem ziemlich doof findet, dem es beim Reisen so wichtig ist, als erster seine Fußspuren zu hinterlassen.
Auf Reisen ja wirklich immer wieder ein interessantes Thema. Irgendwie individuell etwas entdecken zu wollen, aber dennoch auch die (touristische) Infrastruktur zu schätzen.
Aber das ist eine andere Geschichte.